Als „der Benz“ 1915 das Salzufer kaufte, war „der Daimler“
noch ein harter Konkurrent.

Die Geschichte von Mercedes-Benz am Salzufer.

Wohl kaum ein Autohaus hat die Turbulenzen der deutschen Geschichte so deutlich und hautnah miterlebt wie der Mercedes-Standort am Salzufer. Kriege, Nachkriegszeit, die deutsche Teilung, die Wende – all das machte sich hier bemerkbar und veränderte auch immer wieder das Gesicht dieses traditionsreichen Hauses.

Der 1. Weltkrieg ging bereits in sein zweites Jahr, als am 12. August 1915 Benz & Cie von Siemens & Halske und den Gebr. Siemens & Co das bebaute Grundstück Salzufer 2, 2a und 3 in Charlottenburg kaufte.  Denn es gab viel zu tun für die Werkstätten von Benz dank zahlreicher Reparaturaufträge des stark motorisierten Heeres.  

So wurde das Areal für damalige Verhältnisse sehr großzügig ausgebaut und modern eingerichtet und bereits im Herbst als Standort der Fabrikniederlassung Berlin eröffnet. Bereits im nächsten Jahr wurde erweitert – durch Zukauf des Blocks Gutenbergstraße 9-11. Daimler war damals noch nicht mit im Boot, denn zu jener Zeit waren Daimler und Benz noch heftige Konkurrenten.

1926 wurde zum ersten Mal der Mercedes-Stern gehisst

Beide allerdings litten schon wenige Jahre später unter den Folgen des 1918 verlorenen Krieges, dem erheblich schrumpfenden Autogeschäft und schließlich der Inflation. Und kurz, nachdem sie diese überlebt hatten, einigten sie sich im Mai 1924 auf die Bildung einer Interessensgemeinschaft, die schließlich im Juni 1926 zur Fusion führte. Aus den bisherigen Konkurrenten wurden Partner – die Daimler-Benz AG, deren neue gemeinsame Marke fortan Mercedes-Benz hieß. Elf Jahre nach dem Erwerb des Salzufers durch Benz & Cie wurde dort erstmals der Schriftzug Daimler-Benz AG montiert und die Flagge mit dem Mercedes-Stern gehisst.

Schon 1927 wurde das Salzufer als Hauptniederlassung Berlin zum Herzstück der Daimler-Benz AG in der deutschen Hauptstadt, die im Stadtgebiet verschiedene Verkaufs- und Ausstellungsräume betrieb. 16 Jahre später, in Europa tobte der 2. Weltkrieg, wurde der Betrieb durch Bomben weitgehend zerstört. Man setzte einige Bereiche zwar provisorisch in Stand, aber ein Jahr später wurde das Gelände erneut zerbombt. Die Lastwagenabteilung zog 1944 nach Spandau in die Seeburger Straße.

Ende April besetzte die Rote Armee das Gelände am Salzufer, wo schon am 14. Mai 1945 und damit gerade einmal eine Woche nach Kriegsende die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Als Mitte Juli 1945 Charlottenburg und Spandau von den Engländern besetzt wurden, wurden die Daimler-Betriebe zum Großreparaturwerk Nr. 1 und 2 unter britischer Kontrolle. Noch allerdings gab es keine deutsche Automobilproduktion – und damit auch nichts zu verkaufen.

Nach dem Mauerfall wurde die Niederlassung neu strukturiert

Das Verkaufsgeschäft kam erst nach Ende der Blockade wieder in Gang und man begann, das Salzufer großzügig wieder aufzubauen. Schon 1950 konnte die Betriebsleitung von Spandau ans Salzufer umziehen, wo zugleich ein kleiner Ausstellungsraum eröffnet wurde.  

Und im folgenden Jahrzehnt wurde der Betrieb Schritt für Schritt auf- und ausgebaut und modernisiert. Ende der 60er-Jahre schließlich begannen umfassende Erweiterungsbauten, die sich in mehreren Etappen bis 1986 erstreckten.

Nachdem 1989 die Mauer gefallen und Deutschland ein knappes Jahr später wiedervereinigt war, musste sich die Niederlassung Berlin völlig neu aufstellen. Ihre Center in Spandau, Marienfelde, Reinickendorf und Kreuzberg wurden total erneuert und in der Rhinstraße entstand ein völlig neues Center.

Nun endlich war die Zeit gekommen, sich um die neue Zentrale zu kümmern, die Zeichen setzen sollte für den Sprung ins 21. Jahrhundert. 1998 rückten Bagger und Abrissbirne an und rissen das Salzufer bis auf die zentralen Werkstätten komplett ab, um Platz zu schaffen für ein wegweisendes „Autohaus der Zukunft“ – die Mercedes-Welt am Salzufer, die im Sommer des Jahres 2000 ihrer Bestimmung übergeben wurde.