Mercedes-Benz

Vor 25 Jahren: elektronisch in der Spur.

24. Juni 2020

Mercedes-Benz verbaut 1995 erstmals das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP als Serienausstattung. Seitdem hat es unzählige Fahrsituationen entschärft.

Die Sicherheits-Sensation verbirgt sich hinter einem schlichten Kürzel: ESP, Elektronisches Stabilitäts-Programm. Das Fahrzeug folgt weiter der Richtung, die der Fahrer vorgibt, auch wenn er beispielsweise zu schnell in die Kurve fährt. ESP bremst gezielt ein oder mehrere Räder ab und passt bei Bedarf das Motordrehmoment an. Die Serienpremiere feiert das System im Frühjahr 1995 im Mercedes-Benz Coupé der S-Klasse. Dann folgt der rasante Aufstieg des Assistenzsystems zum weltweiten Standard.

Premiere hat ESP in den Coupés der S-Klasse.

Daran mitgewirkt hat auch ein Fehlstart. Beim sogenannten Elchtest – einem in Schweden erfundenen Ausweichmanöver bei konstanter Geschwindigkeit – wird der fahrdynamische Grenzbereich überschritten. Das Fahrzeug, die erste A-Klasse (Baureihe 168), fällt auf die Seite. Was 1997 zunächst wie ein Rückschlag wirkt, geht Mercedes-Benz konstruktiv an: Die Auslieferung der A-Klasse wird für zwölf Wochen unterbrochen und das Assistenzsystem ESP als serienmäßige Komponente in allen Fahrzeugen nachgerüstet. 

1997: Testfahrt mit einer Mercedes-Benz A-Klasse.

Das Ergebnis überzeugt: Die A-Klasse erfüllt nun selbst Extremtests besser als der Wettbewerb. 1999 ist Mercedes-Benz die erste Marke, die alle Pkw-Modelle serienmäßig mit dem Fahrsicherheitssystem ausstattet. Dieser Schritt hat branchenweit Signalwirkung.

Das ESP baut auf Antiblockiersystem (ABS) und Antriebsschlupfregelung (ASR) auf, verwendet jedoch eine erheblich umfangreichere Technik. Zum Beispiel Sensoren für Lenkwinkel, Querbeschleunigung und Gierrate – das ist die Drehbewegungen des Fahrzeugs um seine Hochachse. So kann die Elektronik zum Beispiel beginnende Schleuderbewegungen erkennen und in Millisekunden korrigierende Bremsreaktionen berechnen.

Entwicklungsarbeit für die Fahrsicherheit.

Entwickelt wird die Innovation von Daimler-Benz und Bosch. Die ersten Entwicklungsschritte machen beide Unternehmen in den 1980er-Jahren noch unabhängig voneinander: Sie suchen nach Lösungen, um in kritischen Fahrsituationen eine größere Fahrstabilität zu ermöglichen. 1992 bündeln sie ihre Entwicklungen in einem gemeinsamen Team und stellen die Ergebnisse ihrer Arbeit 1994 unter dem Namen Fahrdynamik-Regelung (FDR) vor.

1995: Erstmals steuert ein Fahrzeug einem Ausbrechen aus der Fahrspur bei Bedarf durch Bremseingriffe an einzelnen
Rädern und Drehmomentänderung gegen.

Die Markteinführung des ESP erfolgt dann als Elektronisches Stabilitäts-Programm ESP ab Mai 1995 im S 600 Coupé der Baureihe 140 als Serienausstattung. Die gleichfalls mit V12-Motor ausgestatteten S 600 Limousinen und der SL 600 folgen ab September 1995. Ab diesem Zeitpunkt ist es zudem in den S-Klasse Limousinen und Coupés mit V8-Motor und der SL-Klasse optional erhältlich.

Drastisch weniger Unfälle.

Neben Gurt, Airbag und ABS hat sich ESP seit Mitte der 1990er-Jahre als das mit Abstand wichtigste Sicherheitssystem moderner Personenwagen etabliert. Zunächst führt Mercedes-Benz als weltweit erster Hersteller das ESP konsequent für alle eigenen Baureihen als Serienausstattung ein. Danach reduziert sich der Anteil von Mercedes-Benz Personenwagen an folgenschweren Fahrunfällen in der Unfallstatistik um mehr als 42 Prozent, bei Modellen anderer Marken dagegen nur um 13 Prozent.

Diese Wirksamkeit überzeugt: Bald ziehen immer mehr Hersteller nach. Und gemäß einer EU-Verordnung müssen seit November 2011 sämtliche in der Europäischen Union neu zugelassenen Personenwagen- und Nutzfahrzeugtypen serienmäßig mit ESP ausgestattet werden.

Sicheres Manövrieren selbst auf nasser Fahrbahn – ESP unterstützt wirkungsvoll.

Fotos: Daimler AG