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KPM Chefdesigner Thomas Wenzel.

22. Oktober 2019

Klare Linie.

Exklusiver geht es kaum: KPM Berlin genießt weltweit einen exzellenten Ruf als Luxusmarke für Porzellan. Wir treffen Chefdesigner Thomas Wenzel, der die Tradition mit der Zukunft verbindet.

Wie arbeitet der Mann, der mehr als 250 Jahre Geschichte in Formen für das 21. Jahrhundert übersetzt? Das Reich von Thomas Wenzel liegt versteckt ein paar Treppen hoch im verwinkelten Produktionstrakt. In Regalen im Flur lagern Entwürfe und Muster, die den langen Entwicklungsprozess eines neuen KPM Produkts dokumentieren. Das Atelier ist schlicht und licht, hohe Fenster öffnen sich zum Hof. Unter der aus Ziegeln gemauerten Gewölbedecke dominiert Weiß, durchbrochen von wenigen Farbakzenten. Das gestalterische Credo ist klar: Die Königliche Porzellan-Manufaktur hat prägend zu jeder Epoche den Stil definiert und auch heute den Anspruch, keinem Trend hinterherzuhecheln. Wenzel steht in der Tradition der großen Gestalter, die für die Königliche Porzellan-Manufaktur wegweisende Entwürfe schufen: im 19. Jahrhundert etwa Karl Friedrich Schinkel, Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow, im 20. Jahrhundert Gerhard Marcks, Trude Petri, Marguerite Friedlaender, Wolf Karnagel und Enzo Mari.

Geprägt vom Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit.

Ein moderner Klassiker: Das Tafelservice Urbino entwarf Trude Petri 1931 für die Königliche Porzellan-Manufaktur. Die Bildhauerin, Malerin und Designerin baute die Form konsequent aus dem Kugelabschnitt auf. Urbino besticht durch Klarheit und Eleganz. Der formvollendete Klassiker ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.

Funktionalität und Poesie.

Chefdesigner Thomas Wenzel lebt die Philosophie, dass KPM nie ein Massenprodukt sein muss, will und kann. „Wenn der Mainstream Rot sagt, denke ich an Grün!“ Statt kurzfristiger Moden setzt er auf nachhaltiges Denken. „Mir geht es um zeitlose Eleganz, die man sich auch in 100 Jahren noch gerne anschaut.“ Dabei genügt es nicht, allein futuristische Formen zu entwickeln. „Unser Produkt muss funktional sein, darf aber niemals septisch wirken. Wir brauchen Poesie und Aura. Nur dann erreichen wir die Menschen mit der emotionalen Ausstrahlung, die KPM Porzellan schon immer ausgezeichnet hat“, sagt der Gestalter, der von den Lehren des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit geprägt ist.

Berlin mit moderner Schlichtheit.

Chefdesigner Thomas Wenzel

Thomas Wenzel übernahm 1993, gerade mal 30-jährig, die künstlerische Entwicklungsabteilung der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Kein leichtes Erbe, denn zu jeder Epoche gestalteten herausragende Künstler und Designer für die KPM. Eine seiner ersten Arbeiten führte ihn mit Enzo Mari zusammen, der zu den einflussreichsten internationalen Designern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt und in seinem Stil Klarheit und Essenzialität ausstrahlt. Gemeinsam mit Mari war Wenzel maßgeblich an der Entwicklung der Form Berlin beteiligt. Das mit dem iF Design Award ausgezeichnete Service entwickelt klassische Grundformen wie Kreis und Kelch zu einem Service in moderner Schlichtheit.

Thomas Wenzel sucht die Nische.

Ein neues Service steht für den Designer nicht mehr im Vordergrund. „Das Programm der KPM ist bei Klassikern und der Moderne gut aufgestellt.“ Wenzel sucht erfolgreich eher die Nische. Gestaltung meint bei ihm nicht nur die Form. Mit innovativen Dekor- und Fertigungstechniken entwickelt er die moderne Tischkultur weiter. Er wagte es, ganz jung dem Service-Klassiker Kurland eine Currywurstschale und einen To-go-Becher hinzuzufügen. Und mit seiner Kreation LAB bringt er die KPM vom gedeckten Tisch in die Küche. Neben edlen Service und Tischschmuck fertigte die Manufaktur lange Zeit auch Gebrauchsporzellan für Chemielabore, wo es rein auf die Funktion ankam. So entdeckte Thomas Wenzel im Haus immer wieder kleine Tiegel, große Mahlkugeln und Abdampfschalen. Diese Überbleibsel dienten ihm als Inspiration für die ganz neue Linie LAB.

LAB von Thomas Wenzel ist inspiriert vom Laborporzellan, das die KPM früher produzierte. Die Serie trägt das kobaltblaue Zepter als Markenzeichen der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin deutlich sichtbar.

LAB als Hommage an das Laborporzellan.

Die Serie LAB verbindet Porzellan, Stahl und Holz als Materialien.

Mit der Hommage an das Industrieporzellan vergangener Zeiten definiert die KPM Berlin wieder einen richtungsweisenden Stil für das moderne Interieur in der Küche. Eine klare Form macht die Anwendung sichtbar und erzählt gleichzeitig seine Geschichte. Das reduzierte Design ist ebenso rational gedacht. Es ermöglicht eine effiziente, weniger aufwendige Fertigung und erschließt der Königlichen Porzellan-Manufaktur ein neues Preissegment, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.

Die große Linie und die Details machen die Begeisterung des Chefdesigners deutlich. Bei LAB gehen Porzellan, Stahl und Holz eine spannende Liaison sein. Auch in der Kombination von glasiertem Porzellan und unglasiertem Biskuitporzellan schuf Wenzel eine junge Optik mit besonderer haptischer Note. So wird der Becher zu einem echten Handschmeichler. Schalen mit Ständer gab er neben praktischem Nutzen den Charakter von Objekten – „wie kleine Eiffeltürme“. Vasen erinnern an Rund- und Erlenmeyerkolben, Aufbewahrungsdosen an Petrischalen. Und die vielseitige Linie wächst kreativ weiter: mit Kaffeefilter, Essig und Öl, Mörser und Stößel, Wasserkaraffe, Müsli-Set, Becher und Teller oder Kräutergarten. In der sachlichen Aussage des Laborporzellans gelingt Thomas Wenzel bewusst der Spagat Tradition der Königlichen Porzellan-Manufaktur: LAB ist die erste Serie, die das kobaltblaue königliche Zepter als Markenzeichen der KPM Berlin sichtbar trägt. So sieht junges Selbstbewusstsein „Made in Berlin“ aus.

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Fotos: © Jörg Sänger, © KPM Berlin